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Der Verein
renoviert, die Stadt kauft
Für 150000 Euro
übernimmt Erlenbach Jugendhaus vom Sportverein

Erlenbach.
Maurer und
Dachdecker gehen ihrer Arbeit nach, auch der Glaser kommt zum Zug:
Das Erlenbacher Jugendhaus wird auf Vordermann gebracht. Die Stadt
kauft das Gebäude für 150000 Euro. Am 28. Juni hat der Stadtrat in
nicht-öffentlicher Sitzung beschlossen, das Haus zu erwerben, so
Bürgermeister Michael Berninger. Am 1. Januar soll es in den
Besitz der Kommune übergehen. Seit 1992 gibt es einen Pachtvertrag
mit dem SV Erlenbach, dem Noch-Eigentümer, monatliche Pacht: rund
1117 Euro. Dieser Kontrakt sei zum 1. November 2003 gekündigt
worden, sagte der Rathaus-Chef. Man habe ihn dann für die Dauer
der Verkaufsverhandlungen bis Jahresende 2004 verlängert - ohne
den Passus, dass die Stadt für Renovierungsarbeiten zuständig sei
und sie bezahlen müsse. Dieser Passus war es auch, der das
Hauptargument für den Kauf lieferte. Berninger: »Es macht keinen
Sinn, in ein Gebäude zu investieren, das einem nicht gehört.« Das
ist nun vorbei. Derzeit ist der SV Erlenbach am Zug. Er ist
verantwortlich für die laufenden, im wesentlichen drei
Arbeitsschritte: Das undichte Dach wird erneuert, eine neue
Heizung plus Kamin installiert, der große Saal bekommt eine
abgemauerte Fensterfront. Wenn die Handwerker ihren Job erledigt
haben, steht dem Geschäft nichts mehr im Weg.
Wasser
eingedrungen
Derzeit gibt es ein
Problem: Am Donnerstag vergangener Woche sei über das Dach Wasser
ins Haus eingedrungen, teilte SVE-Vorsitzender Udo Berninger mit.
Decke und Fußböden seien im Mitleidenschaft gezogen - ein Fall für
die Versicherung. Die Arbeiten verzögerten sich dadurch um etwa
drei Wochen. Mitte November, so der Vereins-Chef, sollen die
Handwerker fertig sein. Ab nächster Woche könne das Erlenbacher
Jugendhaus - zumindest eingeschränkt - wieder öffnen. Vereinbart
ist laut Bürgermeister Michael Berninger für die 150000 Euro eine
Ratenzahlung. Läuft alles nach Plan, soll der SVE am 1. Januar
75000 Euro erhalten, in den drei Folgejahren wird die Stadt
jeweils 25000 Euro an den Sportverein überweisen. Ursprünglich
habe das Jugendhaus 100000 Euro kosten sollen, so der
Bürgermeister. Die Renovierungsarbeiten hätten die Stadt aber mehr
Geld gekostet als den Verein. Deshalb sei man übereingekommen,
dass der SVE das Haus herrichtet und dann an die Kommune für
150000 Euro verkauft. Hintergrund: Die Mitglieder packen mit an.
Sie tragen dazu bei, dass sowohl ihr Verein als auch ihre Stadt
Geld spart. 50000 Euro investiert der Verein nach Angaben von Udo
Berninger vor dem Verkauf in das Gebäude. Bleiben also 100000
Euro. Und die sind schon verplant: Das Viktoria-Heim des SVE
bekommt neue Toiletten, Umkleidekabinen und Duschen. Kosten: rund
85000 Euro. Die restlichen 15000 Euro werden auf die hohe Kante
gelegt und sind gemäß eines Vorstandsbeschlusses ausschließlich
für weitere Sanierungsprojekte verwendbar.
Bürgermeister Berninger
ist wichtig, dass das Jugendhaus auf Dauer der Stadt erhalten
bleibt. Mit dem Kauf werde dies gewährleistet. Damit waren in der
nicht-öffentlichen Ratssitzung Ende Juni indes nicht alle
Kommunalpolitiker einverstanden. Nach Angaben Michael
Berningers fiel
die Entscheidung für den Kauf mit 15:7 Stimmen quer durch die
Fraktionen aus. Ausschlaggebend für die Gegenstimmen waren
finanzielle Überlegungen: Mit dem Erwerb müsse die Stadt das
Gebäude auf Dauer erhalten - egal, ob dafür Geld in der Kasse sei
oder nicht.
»Nur was sein
muss«
»Die
Arbeiten sind auf jeden Fall nötig. Das Jugendhaus wird ein
anderes sein, es wird einladender.« Diplom-Sozialpädagoge Rudi
Reißmann, Leiter der städtischen Einrichtung, verspricht sich
einiges von der neuen Situation. Er hält weitere Maßnahmen im
Innern des Gebäudes für erforderlich. Zum Beispiel müssten die
Toiletten hergerichtet werden. »Da ist die Stadt gefragt.« Bei
Streicherarbeiten würden die Jugendlichen selbst aktiv werden. Der
Bürgermeister hat nicht vor, groß in die Innenrenovierung
einzusteigen. »Gemacht wird nur, was unbedingt sein muss.« Dass
Reißmann und sein Kollege Ralf Diener im Jugendhaus einen guten
Job machen, ist im Stadtrat unumstritten. In regelmäßigen
Abständen erntet der Jugendhausleiter für seine Berichte Lob. Das
Angebot haben Reißmann und Diener kontinuierlich ausgebaut. 170
Jugendliche kommen pro Woche in das Haus an der Liebigstraße, so
Reißmann. Einfach mal vorbeikommen, Leute treffen, spielen, Musik
hören - das ist die eine Seite des Angebots (offener Bereich:
montags bis freitags außer dienstags 14bis 21 Uhr, dienstags 14
bis 17 Uhr). Daneben gibt es Gruppentermine: kreativer
Mädchentreff, Breakdance, Kinderbibelkreis, zwei Bands, die im
Haus üben. Rund 60 Kinder und Jugendliche besuchen die
Gruppenstunden. Einmal im Monat geht ein Konzert über die Bühne.
Matthias Schwind


Info: Jugendhaus:
09372/4134, E-Mail:
jugendzentrum@stadt-erlenbach.de
Fotos: Schwind
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